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Mittwoch, 30. April 2014

Das Parfüm (Patrick Süskind)

Ich habe den Film geliebt und deswegen war es für mich schon ein Must-Read, an welches ich mich aber nie wirklich heran getraut habe. Ich wollte mir das schöne Bild des Films nicht selbst versauen und wahrscheinlich habe ich deswegen nie nach dem Buch gegriffen. Doch jetzt war es soweit und ich bereue es kein Stück. Ich gebe zu, der Schreibstil war zwischenzeitlich sehr anstrengend und wir haben es hier nicht mit der leichten Kost zu tun, die wir einfach so vom Fleck weg lesen können. Auch waren einige Strecken im Buch dabei, die sich extrem lang gezogen haben und bei denen man sich sogar ‚gelangweilt’ hat. Süskind beschreibt die Umgebung sehr detailgenau und lässt allen menschlichen Sinnen dabei großen Spielraum; das ist nicht unbedingt der Stil von jedermann. Andererseits ist es aber auch irgendwie fasziniert wie genau spezielle Düfte und Wahrnehmungen beschrieben werden. Wir stolpern hier über Beschreibungen von Dingen, die wir uns vorher nie genau ausmalen konnten. 

Doch kommen wir zu den Charakteren. Natürlich ist unser Protagonist - Jean-Baptiste Grenouille – derjenige, der im Vordergrund steht und den Leser in seinen Bann zieht. Nur selten hat man uns mit einem derartigen Mörder konfrontiert und wir empfinden gleichzeitig Mitleid sowie Abscheu für ihn und seine Taten. In einem Moment sind wir wie gefesselt von seinem ‚Talent’ und dieser ganz eigenen Welt in der er lebt (was mich stark an Autismus erinnert hat) und im anderen Moment fürchten wir uns vor dem Monster, dass da versteckt offensichtlich in ihm lauert und immer wieder Scheibchenweise hervor scheint. Patrick Süskind hat wirklich wahnsinniges Geschick bei diesem Werk bewiesen und drückt sich stets gewählt und auch überlegt aus. Splatter hat dieses Buch nicht nötig, denn der Tod wird hier auf beinahe künstlerische Weise dargestellt. 

Ich hatte Spaß daran dieses Buch zu lesen, auch wenn es meiner Meinung nach nichts für zwischendurch war. Es ist ein Klassiker, den man irgendwie irgendwann gelesen haben muss. Es ist wie ein Kunstwerk in Buchform; so voller Farben und Düften die man immer greifbar vor sich hat. 

5 / 5 ♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Mittwoch, 23. April 2014

Gut gegen Nordwind (Daniel Glattauer)

Klappentext | Inhaltsbeschreibung:


Emmi Rothner möchte per E-Mail ihr Abo der Zeitschrift „Like“ kündigen, doch durch einen Tippfehler landen ihre Nachrichten bei Leo Leike. Als Emmi wieder und wieder E-Mails an die falsche Adresse schickt, klärt Leo sie über den Fehler auf. Es beginnt ein außergewöhnlicher Briefwechsel, wie man ihn nur mit einem Unbekannten führen kann. Auf einem schmalen Grat zwischen totaler Fremdheit und unverbindlicher Intimität kommen sich die beiden immer näher – bis sie sich der unausweichlichen Frage stellen müssen: Werden die gesendeten, empfangenen und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung standhalten? Und was, wenn ja?

Ich weiß; der Titel mag den ein oder anderen verwundern weil diese Art von Roman ja nun überhaupt nicht zu meiner Sammlung passt (und auch rein gar nichts Brutales oder gar Verstörendes beinhaltet). Aber ich konnte einfach nicht anders und musste dieses Buch lesen, da mir der ein oder andere in der Vergangenheit davon erzählt hat. Auch die liebe Rena (schöne Grüße nach Hamburg) ist Schuld dran. Ich war wirklich sehr gespannt auf dieses Buch und bin sogleich in die nächste Bücherei gerannt um es auszuleihen. Und was soll ich sagen: Es hat mich berührt und nicht mehr losgelassen – so intensiv, dass ich es innerhalb von 2 Abenden verschlungen hatte. 

Zugegeben: Anfangs war ich sehr skeptisch, weil ich einfach nicht gedacht hätte dass ein Buch aus reinen Emaildialogen mich so fesseln könnte. Wir bekommen hier lediglich Einblick in die Outlook-Kommunikation der beiden Hauptprotagonisten und das ist – für jemanden der das erste Mal über einen derartigen „Schreibstil“ stolpert - gewöhnungsbedürftig. Aber es dauerte nicht lange und man hatte Gefallen an der spitzen und knackigen Unterhaltung von Emmi R. und Leo L. gefunden. Relativ schnell wusste man, dass man es hier mit sympathischen und dennoch intelligenten und schlagfertigen Menschen zu tun hat. Auch der nötige Witz durfte bei den Mails nicht fehlen; automatisch ertappt man sich dabei wie das Buch einen zum Lächeln bringt. Die Unterhaltung wurde auch langsam immer persönlicher – um nicht sogar zu sagen: Intensiver! Aber auch hier gilt: wir werden nicht mit direkten Argumentationen a la „Ich will dich eigentlich jetzt sofort nur flachlegen.“ konfrontiert, sondern erhalten nur kleine Spannungen am Rande und wissen innerlich, dass die beiden einfach irgendwann zueinander finden MÜSSEN.

Doch wie es immer so ist: Das Kennenlernen der Zwei gestaltet sich schwieriger als gedacht und Drama ist bald vorprogrammiert. Drama – ach ja, ich LIEBE Drama. Ich mag es total, wenn alles den Bach runter geht und einen mitzieht. Hört sich verrückt an, oder? 
Für einen deutschen Roman, war „Gut gegen Nordwind“ erfrischend anders. Das offene Ende ließ den Leser sprachlos zurück und ist eigentlich gut so gewesen wie er war. Zugegeben – ich wäre wohl verrückt geworden wenn ich nicht gewusst hätte, dass ein zweiter Teil erschienen war. 

5/5 ♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Donnerstag, 10. April 2014

Red Sky (Nate Southard)

Hallo meine Lieben,

entschuldigt meine lange Abwesenheit, aber so ist das nun einmal bei einem Umzug. Nie klappt etwas so, wie es klappen soll. Und schon mussten wir mehrere Wochen auf unser Internet warten. Aber jetzt funktioniert alles wieder so, wie es soll und wir wohnen endlich in unserem wunderschönen Häuschen! <3
Als kleine Entschuldigung habe ich euch eine neue Rezension mitgebracht. Mal sehen ob ich so langsam wieder ins bloggen komme und ob es euch noch gefällt! ;)

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Klappentext | Inhaltsbeschreibung:

Der Überfall in der Bank von El Paso läuft völlig aus dem Ruder und so bleibt dem Ganoven Danny Black nur die Flucht in die Wüste von New Mexiko - auf dem Rücksitz eine weibliche Geisel, einen schwerverwundeten Psychopathen und dessen hysterische Freundin.

Als sie in den verlassenen Fabrikhallen von Red Sky Manufacturing Schutz suchen, ahnen sie nichts von dem geheimen Leben im Wüstensand um sie herum. Bald umschwirren Armee-Helikopter das Gebäude und eröffnen erbarmungslos das Feuer. Die Soldaten tragen Gasmasken und sie haben es eilig, denn die Sonne sinkt ... und aus den Schatten kriecht das hungrige Grauen hervor ...

Wieder einmal ein Buch, von dem ich beinahe restlos begeistert war und das nur, weil ich aufgrund des review-corner auf den Festa-Verlag  (und somit auch diesen Autor) gestoßen bin. Ich hatte zuvor noch nichts von Nate Southard gehört, doch jetzt werde ich mir definitiv mehr von ihm geben. Mit den 277 Seiten die dieses Buch hat, ist es einfach grandios für einen Leseabend. Und so gingen sie dahin, die Stunden…

Ich habe das gute Stück beinahe in einem Rutsch durchgelesen, weil es einfach spannend und fesselnd war und das obwohl wir hier wieder ein typisches Klischee bedienen. Die Gruppe Räuber, die soeben von einem Banküberfall fliehen, landen irgendwo im Nirgendwo in der Wüste. Der Anführer der Gruppe landet dabei am Anfang auch noch in einem Kuriositätenkabinett einer alten, schrulligen Frau. Er sieht merkwürdig deformierte Gestalten – denkt sich aber nichts dabei – bis sie sich in dieser merkwürdigen Lagerhalle wiederfinden und das Grauen seinen Lauf nimmt. An sich keine neue Besonderheit. Die Gruppe kann nicht mehr weg und sie sind nicht allein. Ich habe zu diesem Zeitpunkt wirklich gedacht, dass es mich nicht mehr packt.

Doch das hat es als diese Viecher langsam aber sicher aus dem Dunkel gekrochen kamen. Spannend fand ich dabei auch, dass die Sichtweisen permanent gewechselt wurden und wir so auch ein paar Mal die Sicht des unbekannten Monsters miterleben durften. Wir sahen das Unheil kommen, wurde es doch auch so passend düster beschrieben, und schon waren wir wieder bei dem ahnungslosen Grüppchen. Ehe man sich versah wurde die Spannung auf die Spitze getrieben und man musste einfach wissen wie es weitergeht. 

Da ich über Nate Southard nicht viel weiß, kann ich natürlich nicht sagen ob sein Schreibstil bei diesem Buch besser oder schlechter ist als bei seinen anderen Werken. Aber eines ist sicher: Er hat die Aufmerksamkeit seiner Leser, denn er schweift nicht ab und packt die Dinge direkt an. Vielleicht manchmal auch zu direkt, denn so erfahren wir eher weniger über die Charaktere (ausgenommen ist da natürlich Danny, der gleichzeitig Protagonist des Buches ist). Einen halben Punkt Abzug gibt es wegen der Charaktere Gina & Dale. Ich wurde schon seit langem nicht mehr so von Charakteren genervt. Aber ansonsten war es eine runde Sache, die - nicht nur aufgrund des Endes - Lust auf mehr macht!

4,5 / 5 ♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Dienstag, 14. Januar 2014

Haus der bösen Lust (Edward Lee)

Liebe Leser,

entschuldigt bitte, dass der nächste Post schon wieder so lange auf sich warten lassen hat. Leider lief das Leben im letzten Monat des Jahres nicht so mit, wie es sollte. Auch aus dem Grund hab ich mir ein paar Tage gegönnt und wieder intensiv gelesen. Ich komme immer seltener dazu aber durch meinen neuen E-book Reader wird sich das ja bestimmt ändern! Ich hoffe jedenfalls, dass ihr alle wohlbehalten im neuen Jahr angekommen seid und euch viel Glück und Gesundheit in diesem Jahr geschenkt wird. Bleibt, wie ihr seid! xo

Kommen wir aber nun zur ersten Rezension für 2014. Ich habe es endlich wieder getan! Ich habe endlich wieder ein Buch von Edward Lee gelesen. Für mich gehört Lee zu den schockierensten Schreiberlingen dieser Welt und vielleicht zieht er mich deswegen so in. Immer wieder bricht er nahezu jedes Tabu und lässt uns gerne angeekelt den Kopf schütteln. So war es auch wieder beim ‚Haus der bösen Lust’.

Klappentext | Inhaltsbeschreibung:


Nachdem Justin Collier das Hotel betreten hat, bemerkt er, wie ungeheuer scharf er heute ist. Er kann an nichts anderes mehr denken als an Sex. Aber er irrt sich - nicht er ist so geil, es ist das Haus ... Und als es Nacht wird, hallt durch die leeren Räume ein gieriges Flüstern, und Mädchen, die schon vor langer, langer Zeit starben, kichern unheilvoll ...

Viel brauch ich zum Schreibstil nicht zu sagen denn wer Lee kennt weiß, dass man nicht zimperlich sein darf wenn es um Gewalt, Sex und derber Aussprache geht. Und ich fand, dass er bei diesem Buch die gesunde Mischung aus allem gefunden hat. Ich fand es nicht nur spannend weil es schockiert oder geekelt hat, sondern ich fand die Story rund um das Haus fesselnd. Besonders gefallen haben mir hierbei die Rückblicke und die Traumwandlungen, wo man Stück für Stück entziffern konnte, was eigentlich genau passiert war. Bereits auf den ersten Seiten bekommt ihr die geballte Ladung an Horror, Blut und Gewalt deswegen müsst ihr euch darauf einstellen, nicht erst sanft ins Geschehen eingeführt zu werden.

Ich mochte unseren Protagonisten – den Bierkenner, Autor und Fernsehstar - Justin Collier wirklich gerne. Er war sympathisch und ‚echt’ wenn ihr versteht was ich meine. Das mag ich an Lee so. Er beschreibt alles, auch die Charaktere, wahnsinnig bildlich und man weiß sofort was Sache ist. Hier werden uns bewusst verstörende Dinge vor die Augen gehalten und warum? Weil Lee deutlich macht: Der wahre Horror ist in unserer Vergangenheit durchaus existent. Es gab diese Sklavenarbeit, es gab diese Art von ‚Bestrafungen’ und es gab Vernichtungslager überall auf der Welt. Die damaligen Verhältnisse waren so schockierend. Sicherlich nicht immer aber…für viele arme Seelen - Kinder, Sklaven, Frauen, was auch immer – gab es diesen Horror. Und das zeichnet das Buch für mich aus.

Ich habe dieses Buch innerhalb von 2 Tagen abgeschlossen und konnte es ohne Probleme weg lesen. Warum das so war? Ich vergleiche seinen Schreibstil hier gerne mit seinen beiden anderen Bänden ‚Creekers’ und ‚Bighead’, die ich ebenfalls gelesen habe. Bei dem ‚Haus der bösen Lust’ hatte ich nicht den Eindruck, dass er sich auf die perverse Schreibweise beschränkt und uns mit möglichst wenigen Worten provozieren und ekeln möchte. Und wir hatten endlich mal keine Südstaaten-Hinterwäldler dabei. Tschakka!

5 / 5 ♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Mittwoch, 25. September 2013

Creekers (Edward Lee)

Und ein weiteres Exemplar der Lee-Reihe ist mir in die Hände gefallen! Creekers. Und um das Vorweg zu nehmen – ich fand diese Story eindeutig harmloser als die Bücher, die ich schon gelesen habe. Besonders im Vergleich zu Bighead.

Inhaltsbeschreibung | Klappentext:

Phil Straker hat das Städtchen Crick City einst verlassen, um Karriere als Polizist zu machen. Nun kehrt er zurück – gebrandmarkt als Mörder eines Kindes, das er im Dienst unabsichtlich erschoss.

Phil bemerkt schon bald, dass in der Stadt, die er doch zu kennen glaubte, etwas Grauenvolles vorgeht. Auf der Suche nach einem vermissten Mädchen führen ihn die Ermittlungen zu den Creekers – einem abscheulicher Clan, der unter primitivsten Bedingungen in den Wäldern lebt und sich seit Jahrhunderten durch Inzucht vermehrt. Über die Creekers gab es immer mysteriöse Gerüchte, Phil kennt sie nur zu gut: Dämonische Rituale, sexuelle Exzesse, Mord und Kannibalismus. Aber das waren nur harmlose Fantasien …

Kommen wir deswegen auch schon zum wichtigsten Punkt. Creekers wirkte für mich wie ein softer Abklatsch von Bighead. Oder wie die Vorgeschichte in abgeschwächter Form. Wir brauchen nicht lange um festzustellen worum es geht und wieder einmal sehen wir uns mit einer hinterwäldlerischen Stadt und dessen perverse Einwohner (sowie dessen Redneck-Dialekt) konfrontiert. Ich mochte den Hauptprotagonisten allerdings diesmal recht gerne. Man sieht, dass sich Lee durchaus Mühe mit ihm gegeben hat. Phil Straker’s Ansichten und dessen plötzliches Schicksal als er anscheinend ein Kind erschossen haben soll, machten ihn menschlich. Sympathisch. 

Dennoch war mir die Geschichte an sich (für mich) schlicht und ergreifend nicht…innovativ genug. Ich meine – ein Top Drogenfahnder wird gelinkt und findet sich deshalb relativ schnell in seinem Heimatdorf wieder, dass mittlerweile von Inzuchtsmutanten überrannt und kontrolliert wird. Dazu haben wir dann noch eine Exfreundin die mittlerweile als Stripperin / Hure arbeitet und bei der er natürlich wieder mit Gefühlen konfrontiert wird. Jaja. Kommt euch das auch so ausgelutscht vor? 

Aber: Die ganze Zeit über hat sich Creekers in einem beschaulichen Rahmen bewegt. Ich würde nicht sagen, dass es überaus spannend aber auch nicht überaus langweilig gewesen ist. Lediglich der Schluss hat mir ganz und gar nicht gefallen. Was soll ich sagen? Viel zu schnell wurden viel zu viele Informationen miteinander vermischt und man kam am Ende einfach gar nicht mehr mit, weil es Schlag auf Schlag passiert. Außerdem hat man sich einen derartigen Ausgang irgendwie überhaupt nicht vorstellen können. Aber so ist der Stil nun mal. Man weiß nie, wo das ganze endet.

Abschließend ist zu sagen, dass Creekers wahrscheinlich als Einsteiger für heftigere Kost bestens geeignet ist. Wir haben hier zwar Horror, Brutalität und Perversion, aber es wirkt an sich überlegter und ‚reifer’ und ist vorerst einfacher zu verkraften. Dennoch...konstante Unterhaltung!

3,5/5 ♥ ♥ ♥ ♥

(Original Post vom 28.08.2013)

Bighead (Edward Lee)

Ich habe lange überlegt, ob ich die Rezension zu diesem Buch überhaupt veröffentlichen und vor allem wie ich das ganze beschreiben soll, ohne dass mich die Leute im näheren Umfeld angucken, als sei ich geistesgestört. Das Ergebnis, lest ihr jetzt. Und im Vorfeld kann ich sagen: Vergesst was ich über ‚Flesh Gothic’ geschrieben habe. Die Beschreibung ‚kranke Scheiße’ hat Bighead eindeutig mehr verdient. 

Inhaltsbeschreibung | Klappentext:

Nachdem sein Großvater gestorben ist, sitzt Bighead ganz alleine  in der Hütte irgendwo im tiefen Wald von Virginia. Als das letzte  Fleisch verzehrt ist, treibt ihn der Hunger hinaus in die »Welt da  draußen«, von der er bisher nur von seinem Opa gehört hat … 
Wer oder was ist der Bighead? Wieso hat er einen Kopf so groß  wie eine Wassermelone? Ist er ein mutierter Psychopath? Was er  auch immer ist, Bighead ist unterwegs und hinterlässt eine Spur  aus Blut und Grauen. 
THE BIGHEAD gilt als das »most disturbing book«, das jemals  veröffentlicht wurde. Mancher Schriftsteller wäre über solch eine  Einordnung todunglücklich, doch nicht Edward Lee – er ist stolz  darauf.


Wo soll ich nur anfangen? Das Buch hat einen strengen Faden, den es auch weitestgehend verfolgt; nämlich uns zu schocken. Wir werden mit krankhaften Perversionen jeglicher Art nahezu erschlagen und vor uns tun sich Abgründe der Menschlichkeit auf, an die wir eigentlich nicht haben denken wollen. Nie. Ich habe das Buch ganz durchgelesen, auch wenn es stellenweise echt hart war und ich kämpfen musste. Ich bin abgebrüht – das gebe ich offen und ehrlich zu – aber irgendwann hört es auch bei mir auf. Kontinuierlich wurde versucht, den Ekel und die Boshaftigkeit dieser Materie zu steigern. In meinen Augen ist es aber missglückt. Nicht, weil es nicht eklig war sondern weil es einfach übertrieben wurde und ich als Leser den Eindruck bekam, man wolle einfach alles Vorhandene der menschlichen Grausamkeit in ein Buch quetschen. Eigentlich ist auch genau dies geschehen, denn ich kann mich jetzt nicht erinnern, dass irgendwas ausgelassen wurde.

‚Bighead’ ist zu einem großen Teil nahezu sinnfrei und für mich waren einfach keine großartigen Spannungsbögen dabei, denn man wusste schlicht und ergreifend immer wie es weiter geht. Die Abfolge war einfach immer die gleiche; zumindestens bei den ‚Bösen’. Man sucht ein Opfer, man findet ein Opfer, man erniedrigt das Opfer und am Ende stirbt das Opfer auf bestialische Art und Weise.

Für mich bewegt sich dieses Buch durch immer wiederkehrende Erwähnungen von „Schwanz, Nippel, Pimmelrotze und Hirn knacken“ (um nur ein paar Beispiele zu nennen) in der literarischen Unterkategorie. Wer tiefgründige Literatur sucht, sollte das Buch hier ganz weit wegschmeißen. Einzig und allein die Einbringung des hinterwäldlerischen Dialektes, der am Anfang gar nicht so einfach zu lesen ist aber dennoch einen Wiedererkennungswert hat, gibt ein wenig Atmosphäre und man fühlt sich gleich wie bei der neuen (und eindeutig härteren) Auskopplung von ‚Wrong Turn’. 

Kommen wir zu den Charakteren. Wir haben das Monster, wir haben die beiden grundverschiedenen Mädels die sich (natürlich!) mit Sexproblemen herum ärgern, wir haben die ältere und einsame Dame mit dem gehüteten Geheimnis, wir haben einen Priester und wir haben zwei zurückgebliebene, grausame Hinterwäldler. Und da sind wir auch schon bei dem Punkt, der mich am meisten aufgeregt hat. Was haben diese beiden Trottel für einen Sinn in diesem Buch? Richtig. Gar keinen. Sie sind nur dazu da um Opfer zu erniedrigen und abzuschlachten. Und das einfach immer wieder und es wird nach dem gefühlt 1000’sten Mal einfach langweilig und sie gehen einem regelrecht auf die Nerven! 

Ein Lichtblick war dabei der Priester, der gegen sämtliche Normen der christlichen/katholischen Kirche verstößt und uns ein Lächeln auf die Lippen zaubert, weil er flucht und trinkt und raucht und kein Blatt vor den Mund nimmt. Herrlich erfrischend – auch wenn sich die Kirche darüber sicherlich aufregt. [Allerdings glaube ich kaum, dass der Papst dieses Buch jemals in die Finger bekommen wird]

Was mich richtig geärgert hat war allerdings das Ende. Ich werde es jetzt nicht verraten, aber ich habe ziemlich verwirrt auf der Couch gesessen, als ich durch war. ‚Was zur Hölle?’ trifft es da wohl am besten – aber nicht im positiven Sinne. Gen Ende hin wird einfach noch mal alles in den Topf geschmissen und wir wissen irgendwann nicht mehr wo wir stehen. 

Ich schließe diese Rezi mit folgenden Worten von der guten Cerid ab, indem ich sage: „Der Typ scheißt sich in die Hand, schmiert es an die Wand und nennt es Kunst!“ In diesem Buch ist das tatsächlich der Fall (und Lee würde es auch sicherlich als Kompliment aufnehmen). Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

1,5/5 ♥ ♥ ♥

(Original Post vom 30.07.2013)

Irre Seelen (Graham Masterton)

Ich bin momentan im absoluten Lesewahn, was Horror – und Thrillerromane angeht. Ich glaube so viele Bücher dieses Genres habe ich selten in so kurzer Zeit gelesen. Ich bedanke mich im Vorfeld schon mal beim Sebastian vom Review-Corner, der mich auf das nächste Exemplar aufmerksam gemacht hat.

Inhaltsbeschreibung | Klappentext:

Die alte aufgegebene Irrenanstalt im Wald ist nicht verlassen. Oh nein. In den Wänden wimmelt es vor … vor Wahnsinn? Jack Reed stößt im Wald von Wisconsin auf ein verlassenes Gebäude, das einst eine bekannte Heilanstalt war. Vor fast 60 Jahren wurde sie aus düsteren Gründen aufgegeben. Jack will das alte Haus sanieren, um dort ein Ferienhotel zu eröffnen. Doch es beherbergt gefährliche Geheimnisse: 135 geisteskranke Patienten verschwanden mithilfe von Druiden-Magie »in die Wände« – und dort leben sie noch immer.

Nun hält sie nichts mehr auf … Angeführt von dem bösartigen Quintus kidnappen sie Jacks kleinen Sohn und fordern die Rückkehr des Priesters, der sie damals einfing …

Eine Irrenanstalt in der es spukt? Ich bin dabei! Auch wenn dieser Ort als Schauplatz des Abscheulichen sicherlich kein Neugewinn ist, so finde ich die Atmosphäre am besten. Ich meine – wer findet eine verlassene Irrenanstalt nicht gruselig? Also habe ich es mir gemütlich gemacht und los ging die wilde Fahrt. 

Sehr gut fand ich, dass das Haus bereits am Anfang so detailliert beschrieben wurde. Zwischendurch habe ich mich gefühlt, als sei ich zusammen mit Jack anwesend. Und immer wenn er das Gefühl hatte nicht allein zu sein, bekam auch mich ein ungutes Gefühl. Der Leser ist voll und ganz drin – darauf könnt ihr wetten! Graham Masterton trumpft nicht mit Gore und übertriebenen Gewaltszenen auf, nein er spielt mit der menschlichen Psyche und der alltäglichen Angst des Unbekannten wie beispielweise der Dunkelheit oder den merkwürdigen Geräuschen, die einen verfolgen. Immer wieder ertappt man sich dabei, dass man sich ebenfalls gruselt, obwohl die Geschichte doch nur reine Fiktion ist. Und dabei ist alles so gut beschrieben, dass wir vor unserem inneren Auge alles klar sehen können. Auch hier will man einfach wissen wie es weiter geht. Masterton setzt gezielte Momente ein, bei denen wir mitfiebern. Und ja, wir haben tatsächlich auch ein paar actionreiche Szenen dabei. Und immer wieder hofft man selbst, dass die Protagonisten es schaffen. Man kann gar nicht anders. 

Allerdings muss ich sagen, dass mich die Charaktere nicht sonderlich vom Hocker gerissen haben. Graham Masterton hat die typischen 0-8-15 Charaktere eingebracht, die auch im jedem Mainstream Horrorfilm zu sehen sind. Das kann ein Nachteil sowie ein Vorteil sein, ja. In meinen Augen hätte ich mir ein paar aufwendigere Personen ausgedacht. ABER man darf auch nicht vergessen, dass das Buch schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Jack Reed war für mich an sich noch am greifbarsten, weil ich ihm seine Verzweiflung abgekauft habe und weil seine Handlungen nachvollziehbar waren. Aber was war das da bitte für eine „Romanze“? Erst sollen Karen (der Name, den ich momentan öfters zu lesen bekomme) und er nur Freunde sein und dann nennen sie sich plötzlich ‚Schatz’? Der Sprung war irgendwie verwirrend und hat mir nicht wirklich gepasst. Und auch Maggie – die übervorsichtige Mutter/Feministin war Klischee pur und für mich nicht wirklich verständlich. Aber lest selbst.

Mir hat es trotzdem Spaß gemacht das Buch zu lesen und ich fand das Ende gelungen, worauf es ja auch letztendlich ankommt. Ich habe mitgefiebert bis zu letzten Seite, lesenswert ist es auf alle Fälle!

4,5/5 ♥ ♥ ♥ ♥

(Original Post vom 23.07.2013)

Flesh Gothic (Edward Lee)

Mittlerweile ist ja schon bekannt, dass Autoren wie Richard Laymon oder in diesem Fall auch Edward Lee, ihre Geschichte gerne Mal auf die sexuelle Basis beschränken und es zu ordentlichem Gemetzel kommt. So ist es auch bei ‚Flesh Gothic’. Ich bin ehrlich wenn ich sage, dass dies das erste Buch ist, das ich von Edward Lee gelesen habe – aber ich habe schon viel von ihm gehört. Wem solche Themen nicht gefallen, sollte diesen Blogpost nicht lesen und wieder ins quietschvergnügte, bunte Bällebad des Lebens zurückkehren.

Um das Buch am besten zu beschreiben, benutze ich am besten zwei Worte: Kranke Scheiße! Ich habe ja schon viel gelesen und bin auch nicht pingelig bei Thema wie Sex oder Gewalt in Büchern, aber dieses Buch hat mich echt an den Rand des Möglichen geführt. Auf der Rückseite des Buches stand geschrieben: „Himmel, woher hat Lee solche Ideen?“ und das habe ich mich zwischendurch immer wieder gefragt. Der Handlungsort und die verschiedenen Charaktere sind sicherlich keine Neuheiten in diesem Genre – nehmen wir allein mal das Horrorhaus, den Dämonologen mit technischem Spezialgerät oder die paranormale Wissenschaftssexbombe. Nein, das alles ist nichts Neues, aber die Umsetzung dieser brutalen Geschichte gleicht wirklich einer ‚literarischen Körperverletzung’ wie Laymon es selbst gesagt hat.

Wer jetzt aber denkt, dass wir rasant ins Geschehen geworfen werden, der liegt gründlich falsch. Bevor das Buch richtig an Fahrt aufnimmt, wird uns jeder einzelne Charakter ausgiebig vorgestellt und wir erhalten einen Einblick darin, wie die einzelnen Protagonisten ticken. Das kann ein Vorteil sowie ein Nachteil sein. Einige mögen es nicht, wenn ein Vorstellungsprozess zu lange dauert. Mich hat dieser Prozess allerdings keineswegs gelangweilt, weswegen ich diesen auch nicht kritisieren kann. 

Im zweiten Abschnitt des Buches, geht es dann richtig los. Die paranormalen Ermittler befinden sich im Horrorhaus und machen sich auch ans Werk. Und bereits jetzt werden wir mit allerhand Abartigem und Perversionen jeglicher Art nahezu beworfen. Ich konnte einfach nicht anders: Ich musste weiterlesen. Denn entgegen vieler Meinungen ist es nicht nur verstörend und ekelig. Nein, Lee beweist ein grandioses Themenwissen zur Dämonologie und Mythologie und bringt dies auch regelmäßig mit ein. Hier steht nichts was sich einfach aus den Fingern gesogen wurde. Die Hintergründe und Erklärungen haben Hand und Fuß. Wir befinden uns inmitten eines großen (soziopathischen) Rätsels, das nun vom Team gelöst werden muss und wir ertappen uns dabei, wie wir innerlich selbst zum Ermittler werden. Dabei stoßen wir auf Probleme und überraschende Wendungen – und auf ein grandioses Finale.

Obwohl ich skeptisch war – und ich auch lange Zeit überlegt habe, ob ich es mir überhaupt zulegen soll – bin ich positiv überrascht. Dieses Buch ist nicht nur was für Leute mit ‚kranken Köpfchen’ sondern auch für jene, die kein Problem mit derben inhaltlichen und detaillierten Beschreibungen haben und bei einem Buch gerne mitraten. Oh ja das könnt ihr. Und ich wünsche euch viel Spaß dabei!

Ein paar Seiten weniger hätten es zu Anfang sicherlich auch getan aber dennoch ist es ein solider Faden, der nicht einfach nur so aus der Luft gerissen wurde. Lee hat sich mit dem Thema beschäftigt und zeigt eine Menge Fachwissen, auch wenn die Ausdrucksweise für manche gewöhnungsbedürftig ist. Aber was haben wir denn sonst erwartet? In der Hölle reiten wir nun mal nicht mit einem Einhorn über Regenbögen!

4/5 ♥ ♥ ♥ ♥

(Original Post vom 30.06.2013)

White Horse (Alex Adams)

Spätestens seit Justin Cronin’s „Der Übergang“, bin ich ein totaler Liebhaber von Büchern, in denen die Welt untergeht bzw. untergehen wird. Die Faszination von Epidemien, Apokalypsen und Dystopien finden wir ja bereits in der Filmwelt. Für manche ist es einfacher den Untergang der Welt in Bildern zu sehen, ich hingegen bevorzuge ein gutes Buch (oder ein Hörbuch), in dem ich meine ganz eigene Fantasie noch mit einbringen kann. Bei „White Horse“ fühlte ich mich sofort angesprochen und ich musste das Buch einfach kaufen. Auch hier versuche ich wieder, nicht allzu viel von der Handlung zu verraten.

Das Cover allein war für mich schon Recht ansprechend. Ich mag das Düstere. Durch die einsame Frau (die wir sogleich als Protagonistin ausmachen, da wir ja auch den Klappentext lesen), wirkt das ganze schon einschüchtern, wenn nicht gerade zu beklemmend. Denn wir lesen in den paar Zeilen auf der Rückseite schon viel heraus. Die Frau auf dem Cover ist Zoe. Die Welt wie wir sie kennen ist nicht mehr da und die meisten Menschen sind tot. Jetzt kämpft eine einsame Frau um ihr Leben und das Leben ihres ungeborenen Kindes.

Was sofort auffällt wenn wir die ersten paar Seiten lesen: Es gibt zwei Handlungsstränge. Einmal das JETZT und das DAMALS. Die beiden laufen parallel zueinander. Was damals passiert ist, wird also immer wieder eingeblendet. Wo wir wieder beim Film wären. Ich liebe nämlich Flashbacks, die langsam erklären was passiert ist, anstatt alles vorweg zu nehmen. Und genau so passiert es bei White Horse. Wir bekommen nach und nach einen Einblick, wie alles angefangen hat und wie Zoe’s Leben vorher ausgesehen hat. Womit haben wir es aber genau zu tun?

Wir erfahren die Geschichte der guten Zoe. Sie ist Putzfrau in einem Labor (eines Pharmakonzerns) und eigentlich ziemlich gewöhnlich. Doch dann steht plötzlich ein seltsames Gefäß in ihrem Wohnzimmer und niemand kann sich erklären wie es dort hingekommen ist. Zoe traut sich nicht dieses antike Gefäß zu öffnen, doch jeder der mit ihm in Kontakt kommt stirbt kurze Zeit drauf und eine Epidemie, die einer heftigen Magen-und Darmgrippe gleicht, greift um sich. Nach und nach stirbt beinahe die gesamte Menschheit weg. Auch Zoe verliert Freunde, Familie und geliebte Menschen. Die Krankheit wird ‚White Horse’ genannt. Es erinnert an den ersten Reiter der Apokalypse – dem weißen Schimmel! 

Die Welt geht nach und nach zu Grunde. Genau zu dieser Zeit, verliebt sie sich in ihren psychatrischen Therapeuten Nick. Die beiden landen in der Kiste – doch Nick verschwindet am nächsten Morgen um seine Familie zu suchen. Als Zoe erfährt dass sie Schwanger ist, macht auch sie sich auf den Weg um ihre große Liebe wieder zu finden und stößt dabei auf die verschiedensten Menschen. Nicht jeder ist ihr dabei wohlgesonnen!

Für mich ist das Buch erschreckend realistisch, zumindestens was das JETZT angeht. Ich konnte mich sofort in die Charaktere hineinversetzen und das allein macht für mich schon einen guten Handlungsstrang aus. Genau so, stelle ich mir das Verhalten der Menschen bei einer Apokalypse vor. Natürlich werden die Schwachen diejenigen sein, die sich anpassen müssen. 

Besonders tragisch finde ich dabei das Schicksal der kleinen Lisa, die Zoe auf ihrem Weg begleitet. Ein kleines Mädchen, dass sich einfach nur nach Liebe sehnt. Sie glaubt, dass sie bei Männern sicher ist und tut alles dafür, dass man sie mag und sie beschützt. Sie gibt zuerst nur ihren Körper aber Stück für Stück ist es auch ihre Seele. Und Zoe versuchte die Menschlichkeit zurück zu bringen. Versucht Lisa daran zu erinnern dass sie mehr ist. Dass sie ein Mensch ist wie jeder andere auch. Und dass sie eben nicht alles mit sich machen lassen muss, um zu überleben.

Wie sage ich doch immer so oft: Menschen sind Tiere und so ist es auch hier. In Situationen wie diesen, kämpft jeder um sein eigenes Überleben und will seinen eigenen Arsch retten. Kann man es verdenken? Man ertappt sich beim Lesen selber dabei, dass man vielleicht auch so gehandelt hätte wenn es um das Überleben geht. Allein diese Tatsache macht das Buch sehr atmosphärisch. Man kann einfach nicht aufhören zu lesen. Man sieht Zoe sofort als Heldin, die immer versucht das Richtige zu tun. Doch was ist das Richtige wenn alles vor die Hunde geht? 

Einzig und allein einige Handlungsstränge in der damaligen Zeit, sind ein wenig verwirrend, weswegen dieses Buch auch nicht die volle Bewertung bekommen hat. Nach und nach bricht alles zusammen, aber trotzdem geht die junge Zoe stetig putzen? Irgendwie wirkt es so, als würde das normale Leben weitergehen – solange bis jeder elendig an ‚White Horse’ verreckt. Für diejenigen die sich anstecken, gibt es keine Rettung. Aber auch der Verlauf der Seuche wirft bei mir einige Fragen auf. Ich habe verstanden, dass die Infizierten irgendwann anfangen sich zu übergeben und alles an eine heftige Magen-Darm-Grippe erinnert, doch es scheint ja auch Mutationen zu geben. Die Erklärung ging ziemlich fix und es brauchte einige Momente, bis ich den Zusammenhang kapiert habe. 

Ich bin gespannt auf die nächsten Teile! Meines Erachtens nach ein Must Have in jedem Bücherregal.

5/5 ♥ ♥ ♥ ♥ ♥

(Original Post vom 20.06.2013)

Ich hab die Unschuld kotzen sehen (Dirk Bernemann)

Aufgrund unseres Umzuges, habe ich ein Buch wiedergefunden, was ich schon vor einigen Jahren mehrfach verschlungen habe. Jetzt habe ich auch die Möglichkeit darüber eine Review zu verfassen. Dirk Bernemann’s Bücher wurden (und werden) häufig als Klassiker der ‚Schwarzen Szene’ abgetan, weil sich der Autor einer sehr radikalen und schonungslosen Ausdrucksweise bedient, die wohl besonders in diesen Reihen Anklang findet. Vielleicht ist es aber auch nur das Klischee, dass diese Vermutung aufkommen lässt. Wie dem auch sei – ob Schwarze Szene oder nicht: Ich mag das Buch und könnte es immer wieder lesen. Woran das liegt? Nun, ich bin ein Fan von sogenannten Tabuthemen und Ekelbüchern. Da bin ich ja bei Dirk Bernemann wunderbar aufgehoben! Worum aber geht es in ‚Ich habe die Unschuld kotzen sehen’?
„Ein durchgeknallter Junkie, der seine Freundin im Drogenrausch zu Tode prügelt, ein korupter Polizist, der einen Auftragskiller bezahlt, damit dieser seinen eigenen Vater aus dem Weg räumt, eine Nutte die sich vor einen fahrenden Zug wirft... Das alles und noch viele andere Geschichten sind Teil von D.B's Meisterwerk.“
© Maya Cheyenne „Forgotten Angel“ auf Amazon.de.

In diesem Buch ist nichts schön. Wir werden an die Abgründe unserer Gesellschaft geführt. Es handelt sich bei den Kurzgeschichten zwar um fiktive Geschichten über vereinzelte Protagonisten, die aber mitunter aneinander anknüpfen. Und so kommt man gar nicht drum herum – man muss weiterlesen! Meistens lesen wir von Gewalt, Tod, Sex und jeglicher Form von Drogen. Schonungslos gibt dabei meistens jemand den Löffel ab. Viele halten dies nicht für authentisch – ich jedoch denke, dass vieles hinter verschlossenen Türen genau so abgeht. Sicherlich jagt vielen auch der schonungslose Gedanke ‚verfickte Scheiße!’ durch den Kopf, wenn er gerade mit seinem Auto gegen ein anderes Auto prallt. Ich weiß es nicht, denn ich habe es ZUM GLÜCK noch nie erlebt und will es auch nie erleben.

MENSCHEN SIND TIERE und genauso schreibt Dirk Bernemann auch. Es soll schockieren bzw. provozieren und es soll uns durchaus bewusst machen, wie grausam die Welt da draußen sein kann und dass es durchaus Leute gibt, dessen Leben ein großer Haufen Scheiße ist. Ja, es ist brutal und manchmal auch sehr vulgär aber zeichnet das nicht mittlerweile viele Menschen aus? Was sehen wir denn beinahe täglich im deutschen Fernsehen, wenn wir gewisse Sender einschalten und kaputte Familien sehen? Es ist im Prinzip genau das gleiche – nur dass uns hier der Mensch direkt und bildlich vorgeführt wird. Er wird in die Kamera gehalten und die Leute vor der Mattscheibe lachen ihn aus. Dirk Bernemann zeigt uns ein Allgemeines (ja ich weiß, ziemlich brutal und schonungsloses) Bild der Gesellschaft und auf einmal lacht keiner mehr. Dafür sollte er keine Kritik erhalten sondern einen Preis, denn wer glaubt  dass vor seiner Haustür ‚Friede-Freude-Eierkuchen’ und heile Welt herrscht, der sollte selbst mal zum Arzt gehen oder öfters die Nachrichten mal einschalten.

Sicherlich gibt es noch andere Bücher, die ähnlich aufgebaut sind oder dessen Inhalt vom Grundprinzip her der Gleiche ist. Vielleicht gab es sogar Inspirationen – aber ich habe kein Vergleichsmaterial und kann mir also nur aufgrund dieses Buches eine Meinung bilden.

Ich drücke damit nicht aus, dass ich es gut finde was Menschen in ihrem Leben für Leichen begraben. Ich heiße Drogen in keiner Form gut und ich habe auch kein Verständnis für Menschen, die sich (wie in einer Kurzgeschichte beschrieben) mit Alkohol hinter das Steuer setzen oder jemanden umbringen aber es gibt diese gestörten und kranken Leute auf dieser Welt und davor sollten wir die Augen nicht verschließen.
Einziger Minuspunkt dieses Buches sind die Gedichte. Am Ende des Bandes erhalten wir noch ein paar Einblicke in ihre lyrische Kunst des Autor’s, der ich allerdings nicht viel abgewinnen kann. So sehr die Geschichten auf den Punkt getroffen sind, so sehr verwirren mich die Gedichte am Ende.
Wer kein Problem mit vulgärer Sprache und keine sensible Nerven hat, der sollte sich dieses Buch zulegen und wenigstens einmal durchlesen. Wenn es auch nicht gefällt – verkauft es doch einfach wieder. Bei mir steht es jedenfalls im Schrank und wird dort auch bleiben!

4/5 ♥ ♥ ♥ ♥

(Originaler Post vom 17. Mai 2013)